Interview zu Grundkompetenzen: Nicole
«Ich habe den inneren Schweinehund überwunden.»
Text: Thomas von Grünigen
Bilder: Ephraim Tännler
Nicole arbeitet als Fachfrau Gesundheit (FaGe) in einem Altersheim. Wenn sie sagt: «Ich mache meinen Job sehr gerne», strahlt ihr ganzes Gesicht. Körperpflege, Ankleiden, Medikamente richten, Essen reichen oder mit den Bewohnenden einen Schwatz halten – Nicole schätzt die vielen Facetten ihres Jobs. Der Weg zum Wunschberuf war für sie jedoch lang und holprig. Wie ein Grundkompetenzen-Kurs ihr dabei half, die Ausbildung im zweiten Anlauf erfolgreich abzuschliessen, erzählt sie in diesem Gespräch.

Dank des Grundkompetenzen-Kurses konnte Nicole ihr Selbstvertrauen stärken und die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit absolvieren.
Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie sich für eine Laufbahn im Betreuungs- und Gesundheitswesen entschieden haben?
Ich mag Menschen. Für mich war früh klar, dass ich Leute unterstützen möchte, die den Alltag nicht selbständig bewältigen können. Den Einstieg in den Betreuungsbereich machte ich mit Praktika und einer Ausbildung zur Assistentin Gesundheit und Soziales mit eidgenössischem Berufsattest (EBA).
Obwohl mir bereits während der Schulzeit vieles schwerfiel, wollte ich unbedingt noch einen Abschluss mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) machen. Ich fand einen Betrieb, der diesen Weg mit mir gehen wollte. Nach einem halben Jahr merkten wir jedoch, dass es nicht funktionieren würde. Das war sehr hart.
Sie liessen aber nicht locker?
Ich hörte von der verkürzten FaGe-Ausbildung für Menschen mit Vorbildung und wollte es noch einmal versuchen. Die Ausbildungsverantwortliche legte mir ans Herz, einen Lese- und Schreibkurs zu besuchen. So landete ich in einem Grundkompetenzen-Kurs des WBZ Weiterbildungszentrum Kanton Luzern.
Was für Erinnerungen haben Sie an den Kurs?
Die Teilnehmenden brachten alle unterschiedliche «Rucksäckli» mit, und ich zweifelte, ob ich in diese Gruppe passe. Die Skepsis verflog jedoch bald, weil wir alle an unseren individuellen Themen arbeiten durften. Ich konnte mich gezielt auf die verkürzte FaGe-Ausbildung vorbereiten.
Wie war die Atmosphäre im Kurs?
Motivierend. Während der Schulzeit hatte ich mich noch vor Dingen gedrückt, die ich nicht verstand, zum Beispiel: Wann schreibe ich ein Doppel-N oder wann kommt ein H? Im Kurs erhielt ich eine zweite Chance, und die wollte ich nutzen. Den anderen Teilnehmenden ging es ähnlich. So gelang es mir, den inneren Schweinehund zu überwinden und mich dahinterzuklemmen.
Sie haben die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit letztlich geschafft – auch dank des Kurses am WBZ?
Der Kursbesuch war ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg dahin. Ich habe gelernt, selbstbewusster hinzustehen. Auch beim Schreiben bin ich mutiger und sicherer geworden. Ich brauche nicht mehr so lange zu überlegen, bevor ich etwas tippe. Das entlastet sehr.
Selbstbewusster und mutiger sind Sie auch geworden, wenn es darum geht, über Ihren Umgang mit Grundkompetenzen zu reden.
Ja, unbedingt. Vor ein paar Jahren habe ich sogar in einem Video für die Grundkompetenzen-Kurse des WBZ mitgewirkt und es dann in der Berufsschule in den Gruppenchat gestellt. Prompt hat sich daraufhin eine Berufsschulkollegin für einen Kurs angemeldet.
Vielen Dank für Ihre Initiative und für dieses Gespräch.
Kurse und Beratung zur Verbesserung der Grundkompetenzen:
www.einfach-besser.ch
Telefonische Beratung: 0800 47 47 47